Teil 3

Ausrufung der I. Republik

Heute – und in den nächsten Folgen – geht es um die 2-Schilling-Gedenkmünzen der Ersten Republik, die sogenannten „Doppelschillinge“. Aber vorher ganz, ganz kurz ein paar Worte zur Erinnerung: Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Monarchie durch eine Republik abgelöst, die mit der Ausrufung durch die Provisorische Nationalversammlung am 12. November 1918 begann. Es blieben nur noch rund 12 % des Gebietes der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie – und damit ein ganzes Bündel wirtschaftlicher Schwierigkeiten: Arbeitslosigkeit, Hunger, Kohlenmangel und galoppierende Inflation. Eine allmähliche Besserung brachte u. a. die Einführung der Schillingwährung im Jahr 1924. Über Nacht waren 10.000 Kronen einen Schilling wert. Viele Bürger und vor allem einflußreiche politische Kreise hielten das „Rumpf-Österreich“ nicht für lebensfähig. Von allem Anfang an hatten die Deutschnationalen den Anschluß an das Deutsche Reich gefordert.

Bewußt österreichisch

In dieser Situation war es für die Regierenden nicht einfach, ein Österreich-Bewußtsein zu schaffen. Wie wir aus der 1. Folge dieser Serie wissen, wurden Münzen schon in der Antike auch als

Propagandamittel benutzt. Als 1928 sil-berne 2-Schilling-Stücke als Gedenkmünzen herauskamen, war es deshalb sicher kein Zufall, daß ausschließlich österreichische Motive ausgewählt wurden. Die Gedenkmünzen, zu 64 % Silber, zu 36 % Kupfer, zeigen auf einer Seite die Wertangabe, umrahmt von den Wappen der neun Bundesländer und dem Bindenschild. Auf der „Themenseite“ jedoch wechselte jedes Jahr das Motiv: 1928 gedachte man des 100. Todestages von Franz Schubert, 1929 wurde an den 100. Geburtstag des Chirurgen Theodor Billroth erinnert. Der 700. Todestag von Walther von der Vogelweide war 1930 der Anlaß. 1931 wurde der 175. Geburtstag von Mozart und 1932 der 200. Geburtstag von Joseph Haydn mit einem Doppelschilling gefeiert. Dann kamen Politiker der Ersten Republik dran: 1933 war der erste Todestag von Ignaz Seipel; 1934 erfolgte die Prägung zum Tod von Engelbert Dollfuß; 1935 war der Anlaß der 25. Todestag von Karl Lueger. Mit der 2-Schilling-Gedenkmünze zum 200. Todestag von Prinz Eugen im Jahr 1936 und der Prägung zum 200. Jahrestag der Vollendung der Karlskirche zu Wien (Fischer von Erlach) 1937 wurde die Serie abgeschlossen. Diese betont österreichische Linie kommt auch 1934–36 mit der 5-Schilling-Silbermünze zu Ehren der Madonna von Mariazell zum Ausdruck – genauso wie mit dem 1935 bis 1938 herausgegebenen 100-Schilling-Stück in Gold, auf dem das gleiche Motiv erscheint: die „Magna Mater Austriae“. Auch die 25-Schilling-Goldmünze von 1935–38, auf welcher der Heilige Leopold mit einem Kirchenmodell zu sehen ist, diente der österreichischen Identität. In der nächsten Folge wollen wir uns die drei „Doppelschillinge“ zu Ehren der großen Komponisten genauer anschauen – in weiteren Folgen die anderen hier genannten Münzen aus der Ersten Republik. Ihr könnt gespannt sein, was alles hinter diesen schönen Münzen sichtbar wird.


2-Schilling-Gedenkmünze


100. Todestag von Franz Schubert


200. Geburtstag von Joseph Haydn


175. geburtstag von Wolfgang A. Mozart


700. Todestag von Walther von der Vogelweide

   
Seit 16. Juni gibt es den Kursmünzensatz 2010 HGH und die neue 5-Euo-Silbermünze
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