1. Folge - Glaube und Aberglaube rund ums Geld

Geld und speziell Münzen werden vielfach mit Glück in Verbindung gebracht. Das ist an und für sich kein Wunder. Denn wer früher einen Sack voll Dukaten hatte und heute über ein wohl gefülltes Konto verfügt, gehört in der Regel zu den glücklicheren Menschen. Münzen werden aber über das Materielle hinaus als Glücksbringer angesehen, mitunter wird ihnen sogar magische Wirkung zugesprochen.

Wenn die alten Griechen ihren Toten den Obolos, ursprünglich eine ganz kleine Silbermünze, die aber bald von meist geringwertigsten Kupferprägungen abgelöst wurde, in den Mund legten, dann hatte das (wenn auch in einer irrealen Vorstellung) reale Gründe: Der Verstorbene sollte damit den Fährmann bezahlen, damit er ihn über den Fluss Styx in den Hades fuhr. Wenn ein Kapitän der jüngeren Vergangenheit ein Goldstück unter den Mastbaum legte, um Unglück zu verhüten, dann gaukelte ihm der Aberglaube eine überirdische Kraft von Gold und Münze vor.

Im Sinne der alten Griechen versorgten Chinesen auch ihre Toten mit Barem, und zwar indem sie (symbolisches) Papiergeld verbrannten. Chinesen glaubten auch an die Heilkraft von Münzen: So wurden
Lochmünzen in Form eines Schwerts zusammengebunden.

 

 

Dieses „Schwert“ hängte man über das Bett eines Kranken, um Dämonen abzuwehren. Göttlichen Schutz
durch Münzen nahmen Inder in Anspruch, und zwar nach Religionen getrennt: Eine quadratische Rupie mit dem Namen Mohammeds bot indischen Muslimen Schutz. Hindus hatten eine runde Rupie mit dem Affengott Hanuman, der sie beschützen sollte, wenn sie in Not waren. In unseren Breiten gab es im 17. Jahrhundert Glückstaler: Die Abbildung der Göttin Fortuna auf einer Weltkugel sollte Glück bringen. Die Kirche des Mittelalters stand dem Geld ursprünglich reserviert gegenüber. Schließlich hatte Jesus selbst die Wechsler aus dem Tempel getrieben. Mit der Zeit erschienen jedoch religiöse Abbildungen auf Münzen und anderen Prägungen. Eine besondere Rolle spielte der hl. Georg, der Schutzheilige der Reiter und Ritter, später auch der kämpfenden Soldaten. St. Georg war besonders auf deutschen und italienischen Münzen zu finden.

Georgstaler gab es aber auch in England, Schweden und Russland. Aus Kremnitz kam im 17. Jahrhundert als „Münze ohne Kurswert“ eine Georgsprägung heraus, auf welcher der hl. Georg in Ritterrüstung hoch zu Pferd den Drachen durchbohrt, der sich am Boden windet. Die Rundschrift verkündet: S. GEORGIUS EQUITUM PATRONUS.

Die Rückseite zeigte Jesus mit seinen Jüngern in einem Segelboot auf stürmischer See. Damit sollten nicht nur Reiter, sondern auch Seereisende durch diese Prägung geschützt werden. Eine ganz besonders wundersame Wirkung wurde dem Mansfelder Georgstaler zugeschrieben. Diese Prägung der Grafen Mansfeld, die den Heiligen zum Schutzpatron des Hauses erwählt hatten, genoss den Ruf, ganz konkret Krieger in der Schlacht zu beschützen. Das kam daher, weil ein Offizier in einem Gefecht von einer Kugel getroffen wurde, ohne eine Verletzung davonzutragen.

Die Kugel konnte ihm nichts anhaben, weil sie auf einen Mansfelder Taler in seiner Tasche geprallt war. Man kann es Zufall oder Fügung nennen, von vielen wurde das Überleben des Offiziers jedoch der Schutzkraft dieses Talers zugeschrieben. Die Nachfrage nach dem „Wundertaler“ war in der Folge dementsprechend groß. Der Glaube an die Zauberkraft des Mansfelder Talers verbreitete sich bis nach Ungarn, weil viele Soldaten der deutschen Einheiten im Kampf gegen die Türken diesen Georgstaler im Marschgepäck hatten. Wovor Münzen und andere Prägungen im Volksglauben scheinbar sonst noch schützen konnten, erfahren Sie in der nächsten Folge.

   
Seit 16. Juni gibt es den Kursmünzensatz 2010 HGH und die neue 5-Euo-Silbermünze
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